TempelDie freimaurerische Symbolik wurde nicht für sie selbst erfunden. Zumindest Elementarkenntnisse der Symbolik gehörten bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert zur Allgemeinbildung und waren dementsprechend vertraut. Bedingt durch ihre Herkunft aus den mittelalterlichen Bauhütten, die sowohl berufsständisch als auch religiös organisiert waren, schöpften die Freimaurer überwiegend aus drei Bereichen: aus der Bau-, Licht- und biblischen Symbolik; allerdings mit zusätzlicher eigener Interpretation. Auf diese Art und Weise konnten sie ihre Anliegen verständlich und doch verhüllt artikulieren.

Objekte (Bauwerkzeuge), Handlungen wie die rituelle Wanderung im Tempel als Symbol des Lebenslaufes und Redewendungen (Arbeit am rauen Stein) gehören dazu. Biblisch ist z.B. die Bezeichnung Allmächtiger Baumeister aller Welten, der Tempel selbst gilt als Abbild des Kosmos und seine jeweilige Einrichtung ruft den Anfang der Erschaffung der Welt in Erinnerung: Es werde Licht!

Die bekanntesten Gegenstände sind das Winkelmass und der Zirkel: Sinnbilder von Ordnung und Gesetz, sowie der umfassenden Liebe. Sie liegen auf der offenen Bibel, die stellvertretend für alle Religionen das Gesetz der Gottes- und Nächstenliebe symbolisiert, allerdings ohne dogmatische Verbindlichkeit. Bibel, Winkelmass und Zirkel bilden zusammen die drei grossen Lichter der Freimaurerei.

Die Gegenstände sind auf Lehrtafeln oder Lehrteppichen, die auf dem Boden des Tempels liegen, zusammen mit den zwei Säulen des salomonischen Tempels dargestellt. Das Zentrum der Freimaurerei liegt indes im Ritual. Sein Sinn ist Lebenshilfe; Anleitung zur Selbsterkenntnis und zu den daraus sich ergebenden Konsequenzen für das persönliche Handeln. Die Fülle und Vielfalt in der historischen Entwicklung der Freimaurerei zeigt, dass das Rationale und das Irrationale im Leben zusammengehören. Die Struktur der heutigen Rituale zeigt, dass der Mensch erleben soll und darf, Belehrung empfangen soll und dass es eine Klammer der Ordnung braucht. Der Inhalt des Rituals ist aufklärende Lebensphilosophie. Der Mensch strebt nach Höherem und soll sich um das Gute, Wahre und Gerechte bemühen. Das kann von verschiedenen Seiten betrachtet werden. Das Ritual ist letztlich auch eine Lebensschule. Sie lehrt die Beherrschung der Leidenschaften, kritisches Denken, Milde und Arbeit.